← Wissen · Aktualisiert am 6. November 2026 · 5 Min. Lesezeit
Dies ist allgemeine Laborpraxis. Maßgeblich sind immer das Sicherheitsdatenblatt und das CoA der jeweiligen Charge.
Als Lyophilisat
Trockene Peptide lagert man meist dicht verschlossen, kühl und lichtgeschützt, für längere Zeiträume oft bei −20 °C oder darunter.
Peptide im Kühlschrank oder im Gefrierschrank?
| Zustand | Kurzfristig | Längerfristig |
|---|---|---|
| Lyophilisat, ungeöffnet | Kühlschrank, 2 bis 8 °C | −20 °C oder kälter |
| Lyophilisat, geöffnet | Trocken und dicht verschlossen, im Kühlschrank | Mit Trockenmittel bei −20 °C |
| In Lösung | Kühlschrank, wenige Tage | Aliquots bei −20 °C oder −80 °C |
Gefrierschränke mit automatischer Abtauung schwanken in der Temperatur. Für längere Lagerung ist ein Gerät ohne Abtauzyklus besser. Die genauen Bedingungen für eine Charge stehen im Sicherheitsdatenblatt.
Was Peptide abbaut
Vier Faktoren bestimmen, wie schnell ein Peptid an Qualität verliert:
- Feuchtigkeit: Wasser ermöglicht Hydrolyse und Desamidierung. Trockene Lagerung ist deshalb die wichtigste Maßnahme.
- Temperatur: Chemische Reaktionen laufen bei Wärme schneller ab. Faustregel: Jede Erhöhung um 10 °C beschleunigt viele Abbaureaktionen etwa um das Zwei- bis Dreifache.
- Sauerstoff: oxidiert empfindliche Reste wie Methionin und Cystein.
- Licht: UV-Licht kann Tryptophan und andere aromatische Reste schädigen.
Die Lagerempfehlungen unten zielen darauf, alle vier Faktoren klein zu halten. Am meisten bewirkt dabei die Kombination aus trockener und kalter Lagerung, weil sie Hydrolyse, Desamidierung und Oxidation zugleich verlangsamt.
Vor dem Öffnen
Lassen Sie das Vial im Exsikkator auf Raumtemperatur kommen. Öffnet man es kalt, kondensiert Feuchtigkeit auf dem hygroskopischen Material und beschleunigt den Abbau.
In Lösung
Peptide sind in Lösung deutlich weniger stabil. Bewährt haben sich Aliquots für den Einmalgebrauch, damit wiederholte Gefrier-Tau-Zyklen entfallen.
Ein leicht saurer Puffer um pH 5 bis 6 verlangsamt bei vielen Peptiden den Abbau. Für kleine Mengen eignen sich Gefäße mit geringer Proteinbindung, weil Peptide sonst an der Wand haften.
Aliquots richtig anlegen
- Das Peptid einmal vollständig in einem bekannten Volumen lösen.
- Die Lösung sofort in Portionen für je einen Versuch aufteilen.
- Gefäße mit geringer Proteinbindung und dicht schließendem Deckel verwenden.
- Jedes Gefäß mit Produkt, Charge, Konzentration und Datum beschriften.
- Die Aliquots zügig einfrieren und bei Bedarf einzeln auftauen. Ein aufgetautes Aliquot wird nicht wieder eingefroren.
Woran Sie einen Abbau erkennen
Sichtbare Zeichen sind selten, aber aussagekräftig. Ein Lyophilisat, das verklumpt, glasig wirkt oder an Volumen verloren hat, hat oft Wasser aufgenommen. Eine Lösung, die trüb wird oder Partikel zeigt, enthält Aggregate. Die meisten Abbauprodukte sind allerdings unsichtbar. Sicher erkennen lassen sie sich nur analytisch, etwa per LC-MS: Oxidation zeigt sich als +16 Da, Desamidierung als +1 Da.
Wareneingang und Versand
Lyophilisate vertragen den Versand bei Raumtemperatur für kurze Zeit meist gut. Lagern Sie die Vials nach dem Eingang trotzdem sofort wie vorgesehen ein. Notieren Sie Charge, Eingangsdatum und Lagerort, damit sich jedes Vial später zuordnen lässt. Eine Aufbewahrungsbox hält die Vials geordnet und lichtgeschützt.
Besonderheiten einzelner Peptidgruppen
| Peptidgruppe | Worauf achten |
|---|---|
| Kurze Peptide ohne empfindliche Reste | Als Lyophilisat meist robust, trocken und kühl lagern |
| Peptide mit Methionin, Cystein oder Tryptophan | Luftkontakt begrenzen, Vials nicht unnötig öffnen |
| Lange Peptide und lipidierte Peptide | Neigen in Lösung eher zur Aggregation, Aliquots klein halten |
| Peptide mit Asparagin oder Glutamin | Basischen pH in Lösung vermeiden |
| Peptid-Mixe in einem Vial | Nach der Komponente mit der geringsten Stabilität lagern |
Stabilität in Lösung selbst prüfen
Wie lange eine Lösung brauchbar bleibt, hängt von Sequenz, pH, Temperatur und Konzentration ab. Sehr verdünnte Lösungen verlieren oft schneller an Gehalt, weil ein größerer Anteil des Peptids an der Gefäßwand haftet. Für wichtige Versuchsreihen lohnt eine kleine eigene Stabilitätsprüfung: Messen Sie die Lösung am Tag des Ansetzens per HPLC und wiederholen Sie die Messung nach einer und nach zwei Wochen unter denselben Lagerbedingungen. Nimmt der Hauptpeak ab oder wachsen Nebenpeaks, ist die Lösung für diesen Zeitraum nicht stabil genug.
Ordnung im Kühl- und Gefrierschrank
- Vials nach Verfallsdatum sortieren und die älteste Charge zuerst verbrauchen.
- Etiketten verwenden, die Kälte und Kondenswasser aushalten.
- Eine einfache Bestandsliste mit Produkt, Charge, Menge, Lagerort und Öffnungsdatum führen.
- Die Temperatur regelmäßig kontrollieren, am besten mit einem Datenlogger, der auch Ausfälle aufzeichnet.
- Peptide getrennt von Lebensmitteln und stark riechenden Chemikalien lagern.
Lösungsmittel und Zubehör lagern
Bakteriostatisches und steriles Wasser werden nach Herstellerangabe gelagert, angebrochene Gefäße mit dem Datum der ersten Entnahme. Spritzen und Alkoholtupfer bleiben bis zur Verwendung in ihrer verschlossenen Verpackung, trocken und vor Staub geschützt. So bleibt die Sterilität der Einzelverpackung erhalten.
Empfindliche Reste
Die Sequenz bestimmt die Empfindlichkeit:
- Cystein, Methionin, Tryptophan: oxidationsanfällig, Kontakt mit Luft möglichst begrenzen.
- Asparagin, Glutamin: anfällig für Desamidierung, besonders bei basischem pH.
- Aspartat: an bestimmten Sequenzen anfällig für Isomerisierung und Spaltung.
Welches Lösungsmittel sich für den Ansatz eignet, zeigen die Artikel Löslichkeit von Peptiden und Bakteriostatisches Wasser im Labor.
Häufige Fragen
Wie lange ist ein Lyophilisat im Kühlschrank haltbar? Für einige Wochen ist das bei vielen Peptiden unkritisch. Für Monate oder Jahre ist −20 °C oder kälter üblich. Maßgeblich sind Verfallsdatum und Sicherheitsdatenblatt der Charge.
Darf ich ein Vial mehrmals einfrieren und auftauen? Als trockenes Lyophilisat ist das weniger kritisch, sofern kein Kondenswasser eindringt. Eine Lösung sollte dagegen nur einmal aufgetaut werden. Deshalb sind Aliquots die bessere Wahl.
Muss ich Peptide unter Schutzgas lagern? Für die meisten Peptide reicht ein dicht verschlossenes Vial. Bei stark oxidationsempfindlichen Sequenzen mit Methionin oder Cystein kann das Überschichten mit Stickstoff oder Argon sinnvoll sein.
Was passiert, wenn ein Paket einige Tage warm lag? Lyophilisate vertragen kurze Zeit bei Raumtemperatur meist gut. Lagern Sie die Vials danach sofort wie vorgesehen. Bei sichtbaren Veränderungen sollte die Charge nicht für kritische Versuche verwendet werden.
Ist ein Kühlschrank im Labor besser als ein Haushaltskühlschrank? Laborkühlschränke halten die Temperatur gleichmäßiger und haben oft eine Alarmfunktion. Ein Haushaltsgerät kann an der Tür und nahe dem Verdampfer deutlich wärmer oder kälter sein. Lagern Sie Vials dort möglichst in der Mitte, in einer geschlossenen Box und nicht in der Tür.
Nur für Forschungszwecke im Labor. Nicht zur Anwendung am Menschen oder Tier.







